Wärmewende in Alkenrath: „Ein Projekt mit Größe und Sinn“

Wenn Nick Schüring und Nicolai Friedrichs auf die Baustellen rund um Schlebuschrath blicken, sehen sie weit mehr als Baugruben, Rohre und Bagger. Für die beiden Projektleiter der Energieversorgung Leverkusen (EVL) ist das Fernwärme-Projekt in Alkenrath das bislang größte ihrer beruflichen Laufbahn – und eines, das sie mit besonderer Motivation antreibt.
Beide gehören seit 2021 zu unserem Team. Nun verantworten sie gemeinsam zwei der wichtigsten Teilprojekte eines Vorhabens, das große Teile Alkenraths ab Frühjahr 2027 klimafreundlich mit Fernwärme versorgen soll. Rund 1.100 Wohneinheiten der Vivawest, der Vonovia sowie weitere Gebäude werden künftig nicht mehr über Erdgas, sondern mit Fernwärme beheizt, die zum Großteil aus der ressourcenschonenden Abwärme der AVEA stammt.
„Es ist schon etwas Besonderes, an einem Projekt mitzuarbeiten, das später weniger Eindruck im Stadtbild, dafür aber beim Klimaschutz machen wird“, sagt Nick Schüring. Der 28-jährige Techniker leitet den Bau der neuen Verbindungsleitung zum bald ehemaligen Nahwärmenetz an der Elisabeth-von-Thadden-Straße. Von einer zukünftigen Übergabestation an der Alkenrather Straße aus entsteht derzeit die Verbindung, die einen wichtigen Baustein für die Wärmeversorgung kommenden Jahrzehnte bildet.
Nur wenige hundert Meter entfernt verantwortet Ingenieur Nicolai Friedrichs das größte Teilprojekt des Gesamtvorhabens: die Verlängerung der bestehenden Fernwärme-Leitung vom Innovationspark-Gelände unter der Dhünn hindurch, durch den Eisenbahntunnel Schlebuschrath bis in Richtung Alkenrather Straße. 1000 Meter Trasse (2000 Meter Rohrleitung), monate- bis jahrelanger Vorlauf bei den einzelnen Projektschritten.
Der größte Schritt steht noch an: „In den kommenden Wochen werden wir mit dem Einsetzen des Dhünn-Dükers einer der technisch anspruchsvollsten Meilensteine des gesamten Projekts umsetzen“, sagt der 32-Jährige, der schon im vergangenen Jahr Erfahrung beim neuen Dhünn-Düker an der Olof-Palme-Straße gesammelt hat. Aktuell wird der Düker – eine Stahlkonstruktion mit fest montierten Fernwärmerohren – beim beauftragten Tiefbauer vormontiert und ab kommender Woche auf einer eigens neben der Dhünn geschaffenen Kran-Aufstellfläche endmontiert.
Die beiden jungen Fernwärme-Experten schätzen an ihrer Aufgabe vor allem den langfristigen Nutzen. „Das ist ein sinnvolles Projekt, bei der wir keine bestehende Gasversorgunginfrastruktur erneuern, sondern aktiv an der Wärmewende mitarbeiten“, sagt Schüring. Dass ein Projekt dieser Größenordnung gelingt – aktuell sind alle Teilprojekte deutlich im Zeit- und Kostenrahmen -, ist für beide keine Einzelleistung.


Um den beiden Projektleitern bei der Umsetzung zur Seite zu stehen, hat ein erfahrener Kollege sogar den geplanten Renteneintritt nach hinten verschoben. „Das zum Teil jahrzehntelange Fachwissen hilft uns auch bei komplexen Bauabschnitten die richtigen Entscheidungen zu treffen“, sagt Jürgen Lokotsch, Fachbereichsleiter und Vorgesetzter von Nick Schüring und Nicolai Friedrichs. Ebenso wichtig ist für Lokotsch die Zusammenarbeit mit den beauftragten Tiefbauunternehmen aus der Stadt. Die eingespielten Partner kennen die örtlichen Gegebenheiten, sind erfahren im Bau von Dükern und sorgen gemeinsam mit den EVL-Teams dafür, dass die Arbeiten trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen planmäßig voranschreiten. „Wenn es so positiv weiterläuft, werden wir ab Frühjahr 2027 große Teile Alkenraths mit grüner Fernwärme, die zum Großteil aus der ressourcenschonenden Abwärme der AVEA stammt, versorgen können“, sagt EVL-Geschäftsführer Thomas Eimermacher.
Für Nick Schüring und Nicolai Friedrichs steht dann der erfolgreiche Abschluss eines Projekts an, das ihre berufliche Entwicklung nachhaltig prägen wird. Langeweile kommt aber nicht auf: Aktuell arbeiten beide parallel zum Tagesgeschäft an ihrer Weiterbildung zum Technischen Betriebswirt. „Das Projekt Alkenrath wird uns auch im Nachgang wie mit der Renaturierung des Horkenbachs beschäftigen“, sagt Friedrichs.
Als Ausgleichsmaßnahme für die beiden Dhünn-Düker sollen die künstlichen Fischteiche am gestauten Horkenbach in Naturteiche mit Fließgewässer umgewandelt werden. Außerdem soll der Bachlauf des Horkenbachs renaturiert werden. „Die Renaturierung des Horkenbachtals wurde aufgrund der Berücksichtigung von Fauna, Flora und Tierwelt in drei Ausführungsabschnitte eingeteilt“, sagt Jürgen Lokotsch. Am ersten Abschnitt von der Mündung des Horkenbachs aufwärts wird die EVL ihre Ausgleichserfordernis vornehmen. Die Detailplanung, Ausschreibung und Beauftragung der Fachfirma soll im Herbst/Winter 2026 erfolgen und im kommenden Jahr fertig gestellt sein. Die weiteren Abschnitte sollen dann sukzessive in den kommenden Jahren über anstehende Ausgleichsmaßnahmen erfolgen.
