Teil 4: Mit viel Manpower und reichlich Erfahrung ins Erdreich

Wasser läuft über die Straße, weil ein Leitungsstück gespült wird. Mitarbeiter der Tiefbaufirma und unsere Monteure stehen in der ca. zwei Meter tiefen Baugrube und nehmen die Leitung wieder in Betrieb. Gleichzeitig rücken unsere Vermesser an. Mitten in der hektischen Betriebsamkeit an der Lichstraße steht Anfang November Mustafa Inan und strahlt freundliche Gelassenheit aus. „Ich finde es toll, zu sehen, wie meine Planung am Schreibtisch später vor Ort in die praktische Ausführung kommt und umgesetzt wird“, sagt der Projektleiter. Rund 520 Meter Versorgungsleitungen für Trinkwasser und Gas sowie 29 Hausanschlüsse hat der 52-Jährige aus der Planungsabteilung zusammen mit seinen Kollegen und den Tiefbauern in den vergangenen Monaten erneuert.
Wie kommt das Trinkwasser sauber und sicher in die Leverkusener Haushalte? Seit Beginn des 20. Jahrhunderts, mit dem Ende der Handbrunnen, in einer zunehmend industrialisierten Region kümmern wir uns und unsere Vorgänger-Organisation um Themen wie Trinkwassernetz, Wasserdruck und Entstörung. Für die Instandhaltung des mittlerweile rund 535 Kilometer langen Trinkwassernetzes und seiner Anlagen sind rund 30 EVL-Monteure zuständig, dazu kommen vier Mitarbeiter in der Planungsabteilung und sieben Kollegen in der Fachabteilung für Trinkwasser.
Wenn in diesen Tagen die Baustelle Lichstraße fertig wird, die Feinschicht eingebaut und alle Baustellenschilder abgebaut sind, endet für Mustafa Inan eine rund zweijährige Planungs- und Projektphase. „Hinter unserer Arbeit steht viel mehr als nur das Ausschachten, die Leitungsverlegung sowie das Schließen der Gräben“, sagt der Projektleiter. „Wir müssen die Arbeitssicherheit, die Regeln der Technik, Normen und Verordnungen beachten und umsetzen“. Bereits Ende 2023 hat er die Baumaßnahme angestoßen, deren Notwendigkeit seine Kollegen aus der Fachabteilung Trinkwasser schon Jahre vorher festgestellt, in die Investitionsplanung aufgenommen und das Projekt dann priorisiert haben. „Die Leitung ist von 1952 und wurde zuletzt 1992 saniert. Unsere Erneuerungen bemessen sich immer an Alter und Zustand des Netzes.“ Wo sich Rohrbrüche häufen, wird eine baldige Sanierung des Teilstücks wahrscheinlich.
Wer sie vor der Haustür oder auf dem Weg zur Arbeit hat, empfindet sie als störend. Trotzdem ist die Einrichtung von Baustellen ein notwendiger Begleiter in unserem Arbeitsalltag. Rund 250 bis 300 Mal geht die EVL pro Jahr wegen ihres Trinkwasser-Verteilnetzes in Leverkusen in die Erde und erneuert rund ein Prozent des Gesamtnetzes. Das kann ein neuer Hausanschluss, oder eine große Maßnahme wie an der Lichstraße sein. 5,4 Millionen Euro haben wir 2024 in die Trinkwasseranlagen investiert. Das ist mehr als doppelt so viel wie fünf Jahre zuvor. Bis 2054 erneuern wir zusätzliche 1,9 Kilometer extra, da eine große Generation Rohrleitung das Ende ihrer Betriebsdauer erreicht hat. Die derzeitigen Mehrkosten für das Programm betragen rund 2,1 Millionen Euro pro Jahr. Rund 50 große Bauprojekte managen die Mitarbeiter 2025. Mustafa Inan hat in diesem Jahr rund zwölf Projekte betreut. Der Anlass kann ganz unterschiedlich sein: Sofortige Reparaturmaßnahmen nach Rohrbrüchen oder Neuverlegungen von Rohrstrecken, weil diese ihre Lebensdauer überschritten haben. Dazu kommen Umverlegungen vor der Errichtung größerer Bauwerke im Straßenraum.

Nachdem Mustafa Inan die Trasse für die neuen Gas- und Wasserleitungen geplant hat, gehen die Pläne an die Technischen Betriebe und das Tiefbauamt der Stadt Leverkusen zur Prüfung und Trassen-Freigabe. Der EVL-Mitarbeiter kümmert sich im Vorfeld um die Kalkulation, die Ausschreibung für die Baufirma und bestellt beim Einkauf das benötigte Material. „Bei komplett neuen kommt auch eine Abfrage zur Kampfmittelfreiheit hinzu.“ Das Thema Altlasten muss Mustafa Inan ebenfalls auf dem Schirm haben. Mit Suchschachtungen lässt der Projektleiter Trassenverläufe bestimmen und Bodenproben nehmen. Der Boden wird dann von einer Fachfirma in Klassen eingeteilt und weiterverarbeitet. „Die Bodenentsorgung ist in vergangenen Jahren preislich überall in Deutschland explodiert.“
Ein Lagerplatz für das Baumaterial wird angesichts der engen Lichstraße gesucht und an der Ecke Breidenbachstraße/Peschstraße nach Absprachen Inans mit dem Besitzer auf einem Brachgrundstück gefunden. „An der Lichstraße hat ein Gutachter zudem im Vorfeld mehrere Hundert Bilder zur Beweissicherung gemacht, um bereits im Vorfeld der Baumaßnahme eventuelle Vorschäden zu dokumentieren“, sagt Inan. Bei dem Projektmanagement hilft dem 52-jährigen, der 1992 bei uns die Ausbildung angefangen hat, seine praktische Erfahrung: „Als gelernter Anlagenmechaniker Fachrichtung Versorgungstechnik habe ich das Verlegen der Rohrleitungen von der Pike auf gelernt und früher sogar selbst ab und zu noch von Hand ausgeschachtet.“

Beginn, Dauer und Ausmaß einer Baustelle legen mehrere Beteiligte seitens der Stadt fest. An der Lichstraße ließen sich Teilsperrungen in den vergangenen Monaten nicht vermeiden. „Das Problem ist hier die Enge und die Einbahnstraßensituation. Das erhöht den Aufwand bei der Straßenführung und der Baumaßnahme erheblich und verlängert den Bauzeitraum.“ Einfacher und schneller ist sicherlich immer eine Verlegung auf dem freien Feld. Mustafa Inan muss daher mit dem beauftragten Bauunternehmen, Vertretern von Stadt, Polizei und Feuerwehr die Verkehrssituation abklären. Der beauftragte Bauunternehmer schlägt dann einen Plan für Sperrungen und Umleitungen vor, der mit dem Straßenverkehrsamt abgestimmt wird. Die Anwohner werden mit Schreiben benachrichtigt, die Öffentlichkeit über Pressemitteilungen der Stadt. „Mit unserer Erfahrung planen und bauen wir mit Augenmaß, damit alles möglichst reibungslos über die Bühne geht“, sagt der 52-Jährige.
Während des Bauprozesses neben dem Tiefbauunternehmen immer an der Seite Inans: Die Vermesser. Die EVL-Experten vermessen und dokumentieren die verlegten Leitungen auf Online-Karten. Das erleichtert künftige Bauarbeiten und hilft das Risiko, beim Ausschachten eine Leitung zu treffen, zu verringern. „Letztlich wissen wir bei manchen Baustellen auch erst, wie der Untergrund beschaffen ist, wenn wir die Straße öffnen“, sagt Inan über bauliche Herausforderungen, die aus Dokumentationslücken vergangener Zeit resultieren.
Herausforderungen im Untergrund entstehen auch immer dann, wenn Rohre brechen, Muffen undicht werden und Bagger die Infrastruktur aus Versehen beschädigen. Ganzjährig 24 Stunden, an Weihnachten, Silvester, Karneval und Ostern stehen unsere Monteure, Meister und Ingenieure auf Abruf bereit, um die Störung schnell zu beseitigen. Im Entstördienst ist Mustafa Inan seit 29 Jahren oft mit dabei. „Das bedeutet schon eine Menge an Bereitschafts- und Einsatzzeiten in den ganzen Jahren, in denen ich und die übrigen Kollegen in der Rufbereitschaft der EVL eingeteilt waren und sind“, sagt der Projektleiter, der 2018 seine Meisterprüfung bestanden hat und mehr als sechs Jahre seines Lebens für die EVL auf Abruf stand. Die Rufbereitschaft dauert bei uns eine Woche und die Kollegen sind dann abseits des Tagesgeschäfts rund 12 Wochen im Jahr immer erreichbar. Nach der Entstörung wird geprüft und besprochen, ob das Rohrnetz in diesem Gebiet großflächiger erneuert werden muss. Und landet dann vielleicht auf Mustafa Inans Schreibtisch.
